Bewegung wieder in den Alltag der Kinder bringen

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Bewegung wieder in den Alltag der Kinder bringen

Bewegung wieder in den Alltag der Kinder bringen

19 Januar 2023  - Universitäre Weiterbildung

Bewegung ist essenziell für die körperliche, psychische und soziale Entwicklung von Kindern jeglichen Alters. Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hat zunehmend zu einem immer präsenter werdenden Bewegungsmangel bei Kindern geführt, mit allen dazugehörigen Konsequenzen und Gefahren. Um uns einen Überblick über die Problematik im Alltag eines Experten zu verschaffen und konkrete Lösungsansätze anzusprechen, haben wir uns mit Michael Schenk von der Gruppe elisabeth unterhalten.

Herr Schenk, Sie sind Direktor des SEA (Service d’éducation et accueil pour enfants) Anne asbl bei elisabeth. Können Sie dieses Phänomen des Bewegungsmangels bei Kindern bestätigen und wie äußert es sich aus ihrer Sicht im Alltag?

Leider kann ich das Phänomen bestätigen. Viele Kinder und Jugendliche (und auch Erwachsene) verbringen den Alltag im Sitzen und vor digitalen Geräten. Eine Vielzahl an motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten werden also weniger genutzt und sind dementsprechend nicht mehr genügend ausgeprägt. Eine wachsende Anzahl an Kindern haben beispielsweise bei einem Purzelbaum schon enorme Probleme und Defizite. Wir versuchen dem aber durch ausreichend Bewegungs- und Sportangeboten in unseren Strukturen entgegenzuwirken.

Wie sieht Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren die ideale Bewegungsförderung und -erziehung für Kinder aus? Was muss sich innerhalb der Gesellschaft, vor allem aber in den Institutionen, vorrangig noch ändern?

Die Kinder verbringen viel (Frei-) Zeit in Institutionen und Strukturen, deshalb ist es sehr wichtig dort angepasste Bewegungsangebote anzubieten. Es gibt viele Möglichkeiten im Laufe eines Tages, um kleine Bewegungspausen einzubauen. Es ist vor allem wichtig, Kindern, die keine Affinität zu Bewegung an Sport haben, den Spaß daran zu vermitteln. Dazu gehört auch, den Wettkampfcharakter möglichst wegzulassen, da dieser oft zu Ängsten und Unsicherheiten bei Kindern führt, die nicht so bewegungsorientiert sind. Methoden wie „Life Kinetik“ könnten da sehr interessant sein. Damit ist ein Konzept gemeint, welches kognitive Herausforderungen mit ungewöhnlichen, spaßigen Bewegungen koppelt. Dadurch werden neue Verbindungen zwischen den Gehirnzellen geschaffen und die Kinder (und Erwachsene) werden auf spielerische Art und Weise leistungsfähiger, stressresistenter und selbstbewusster im Alltag durch eine gesteigerte Wahrnehmung.

Die sogenannte „Bewegte Schule“, welche darauf fußt mit und durch Bewegung in der Schule (und zu Hause) zu lernen, wurde schon vor einigen Jahren als Konzept in den Schulen vorgeschlagen, aber leider ist bei der Umsetzung momentan Stillstand.

Die Zusammenarbeit mit der LASEP (Ligue des Associations Sportives de l’Enseignement Fondemental) und lokalen Sportvereinen ist ein weiterer wichtiger Punkt. Hier können Kontakte geknüpft und Synergien geschaffen werden.

Wichtig wird es sein, genügend Freiraum für Bewegung jeglicher Art zu schaffen, selbst beim Weg zur Schule oder beim Freispiel im Pausenhof. Dabei spielt die pädagogische Haltung der Betreuer eine enorm große Rolle. Nur wenn das Personal ihren Auftrag richtig ausführt und vorlebt, kann man die Kinder begeistern und auffordern.

Sie sind Dozent/in im Zertifikatsstudiengang „Bewegungsförderung und -erziehung“. Was hat Sie daran gereizt, an diesem Studiengang mitzuwirken?

Das Thema Sport und Bewegung begleitet mich schon mein Leben lang, als Sportler und jetzt auch als Funktionär im Sport und auch als Direktor bei elisabeth. Mir ist es wichtig, aufzuzeigen was alles möglich ist und die Leute zu motivieren, auch ohne große Mittel Projekte umsetzen zu können.

Gibt es Grundlagen, die jeder sich aneignen an, um bewegungspädagogisch mit Kindern arbeiten zu können?

Das Wichtigste ist, wie bereits erwähnt, die Haltung und die Motivation. Nur wenn man sich selbst für ein Thema begeistern kann, und den Kindern und Jugendlichen diese Begeisterung authentisch vorlebt, kann man den Funken zum Überspringen bringen. In Luxemburg gibt es bereits viele interessante Weiterbildungen, vor allem auch bei der ENEPS, wo man einen Einblick in die unterschiedlichsten Methoden bekommt, welche man im Alltag anwenden kann. Also, nicht zögern, keine Berührungsängste haben und einfach loslegen. Denn mit Begeisterung und Motivation kann man in dem Bereich nicht viel falsch machen.

Im oben erwähnten Zertifikat startet das Modul 2 im Sommersemester 2023. Dieses legt den Schwerpunkt auf die Grundlagen der Bewegungspädagogik für das Alter von 0 bis 12 Jahren und kann bei Interesse auch einzeln belegt werden

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